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Ideenbewertung – 1.000 Ideen sind auch nur die halbe Miete

von Kathrin Ballesteros am 13. August 2014, 2 Kommentare

Ideenbewertung

Mit einigen Kreativitätstechniken kann man in kürzester Zeit eine große Menge an Ideen generieren. Doch das ist nur die halbe Miete. Entscheidend ist die Ideenbewertung und -umsetzung. Auch hierfür existieren hilfreiche Techniken, die eine strukturierte Analyse und Bewertung der Ideen ermöglichen.

Ideenbewertung? Wozu braucht man das eigentlich?

Kreativitätstechniken wie z.B. das Brainstorming, die Upside-Down-Methode oder die 6-3-5-Methode generieren eine Fülle an neuen Ideen. Das ist zunächst sehr erfreulich und erwünscht, aber diese Ideen müssen weiter bearbeitet werden, damit der kreative Prozess erfolgreich ist. Hier lauern einige Gefahren, die man mit strukturierten Methoden in den Griff bekommen kann. Typisch ist z.B. die fehlende Akzeptanz wirklich neuer Ideen, so dass sie aussortiertwerden , die Fehlselektion, d.h. die guten Ideen werden nicht erkannt, man ist zu verliebt in seine eigene Idee oder man hört auf eine einzelne zustimmende/Kritische Stimme von außen.

Ideenbewertung mit Punkten

Dies ist die allereinfachste und schnellste Methode der Ideenbewertung. Im Anschluss z.B. an ein Brainstorming erhält jeder Teilnehmer eine definierte Anzahl an Klebepunkten. Diese verteilen die Teilnehmer auf ihre favorisierten Ideen, wobei man pro Idee ein bis maximal drei Punkte gleichzeitig vergeben darf. Alle Klebepunkte sollen zum Schluss vergeben sein. Die Auswertung erfolgt dann durch einfaches Auszählen der erhaltenen Punkte. Diese Methode führt sehr schnell zu einem Ergebnis, berücksichtig aber keinerlei Kriterien und birgt die Gefahr, dass Teilnehmer sich dem Sprachführer und seinem Favoriten anschließen.

Ideenbewertung nach definierten Kriterien

Bei dieser Bewertungsmethode werden zunächst vorher definierte Kriterien oder Standardkriterien für jede Idee abgeprüft. Diese werden anschließend miteinander verglichen und KO-Kandidaten werden eliminiert. KO-Kandidaten sind solche Ideen, die mindestens ein Kriterium gar nicht erfüllen und auch nach Abänderung nicht erfüllen werden. Ein KO-Kriterium könnte z.B. Kosten oder Zeit sein. Eine Idee, deren Umsetzung deutlich mehr kosten würde, als Kapital zur Verfügung steht oder in der Umsetzung so lange brauchen würde, das sie bis dahin wieder überholt wäre, wäre dann ein KO-Kandidat.

Typische Kriterien, die für die Ideenbewertung abgeprüft werden sind

  • Vorteile
  • Nachteile
  • Ressourcen
  • Dauer
  • Angemessenheit

Verbleibende Ideen können entweder weiter eliminiert werden oder nach einem Punkte-Modell gewichtet werden. In diesem Stadium ist empfehlenswert, nicht nur den Top-Kandidaten weiter zu verfolgen, sondern mehrere, da die Ideen nach der ersten Ideenbewertung noch nicht ausreichend evaluiert sind und sich die Rangfolge bei detaillierter Bewertung noch verändern kann. Liegen die Ideen in der Bewertung sehr nah zusammen oder hat man zu wenige KO-Kandidaten, führt man den Bewertungsprozess mehere Male durch und sammelt jedes Mal weitere Informationen, um bei der Ideenbewertung feiner zu unterscheiden.

Ideenbewertung mit K-Fragen

Die Ideenbewertung mit Hilfe der K-Fragen funktioniert ganz ähnlich der Bewertung nach Kriterien. Für jede Idee stellt und beantwortet man die folgenden Fragen:

  • Kultur: Passt die Idee zu unserer Unternehmenskultur?
  • Kompetenz: Haben wir die notwendige Kompetenz zur Umsetzung?
  • Kunde: Welche Kunden erreichen wir?
  • Konkurrenz: Wer ist mit dieser Idee oder etwas vergleichbarem bereits auf dem Markt? Wie sieht zukünftig unsere Konkurrenz aus?
  • Kommunikation: Wie und mit welchen Mitteln kann man die Idee publik machen?
  • Kosten: Welche kosten werden entstehen? Sind sie vertretbar?

Die Fragen können selbstverständlich noch angepasst werden, passen aber in dieser Zusammenstellung für fast alle Ideenbewertungen. Auch hierbei gibt es durchaus KO-Fragen, mit denen man Ideen sehr schnell eliminieren kann. Die übrigen Ideen werden wieder verglichen und können mit Punkten gewichtet werden. Auch hier kann es sinnvoll sein, den Bewertungsprozess mehrere Male mit weiteren Informationen als Grundlage zu durchlaufen.

Ideenbewertung mit der Nutzwertanalyse

Die Bewertung nach der Nutzwertanalyse basiert in gewisser Weise auf den vorangegangenen Methoden zur Ideenbewertung, ist aber deutlich komplexer und bewertet ausschließlich nach Punkten. Es findet somit keinerlei inhaltliche Diskussion mehr statt und man u.U. sehr schnell die besten Ideen identifizieren.

Zur Bewertung legt man hierfür eine Tabelle an, die alle wesentlichen Kriterien enthält und verteilt Idee für Idee Punkte, z.B. von 1 bis 10. Zur besseren Analyse kann man jeweils Unterkriterien festlegen, die die Unterscheidung zwischen den Ideen deutlicher hervorheben. Eine zusätzliche Unterscheidung kann durch die unterschiedliche Gewichtung der Kriterien erreicht werden. Sind z.B. die Kosten der alles entscheidende Faktor, bekommt er die Gewichtung 100%, während der Innovationsgrad vielleicht nur eine Gewichtung von 80% bekommt.

  Idee 1 Idee 2 Idee 3
Innovationsgrad 10 4 7
Machbarkeit 6 8 6
Wettbewerb 8 4 8
Ertragspotenzial 8 5 7
Kosten 3 9 6
etc.
Summe 35 30 34

Die Summe aller Punkte zeigt den oder die Favoriten, während die Einzelpunkte genau zeigen, wo die Stärken und Schwächen der Ideen jeweils liegen und ermöglicht eine feinere Analyse und Bewertung.

Ideenbewertung mit der SWOT-Analyse

Die Ideenbewertung mit der SWOT-Analyse gehört zu den komplexeren, aber auch aussagekräftigen Methoden. Wie bei einer klassischen SWOT-Analyse werden für jede Idee die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken erarbeitet, die dann in eine Matrix eingetragen. Hieraus ergeben sich sich verschiedene Handlungsoptionen, die für jede Idee unterschiedlich ausfallen werden und Selektionskriterien sind.

SWOT-Analyse

 

 

Da die SWOT-Analyse sehr viel aufwändiger ist als die bisherigen Bewertungsmethoden, empfiehlt es sich, bereits eine Vorauswahl getroffen zu haben. Für jede Idee werden die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zusammengetragen und analysiert. Um Handlungsoptionen abzuleiten, werden die einzelnen Felder der Matrix (SO, ST, WO, WT) in Bezug gebracht, so dass sich folgende Optionen ergeben:

  • SO: Welche Chancen und Stärken können besonders genutzt werden?
  • ST: Welche Stärken können genutzt werden, um Risiken zu minimieren?
  • WO: Wie können Schwächen eliminiert werden, um neue Chancen zu nutzen?
  • WT: Welche Verteidigungsstrategien können entwickelt werden?

In der Analyse werden sich die Ideen voneinander unterscheiden und sich welche herausbilden, die besonders vielversprechend sind und solche, die man nicht weiter verfolgen wird. Eine SWOT-Analyse bietet sich übrigens an, wenn ein Gründungsprojekt auf den Weg gebracht werden soll. Es ist sehr sinnvoll, eine SWOT-Analyse in den Business Plan zu integrieren.

Ideenbewertung mit der Portfolio-Analyse

Die Portfolio-Analyse wird standardgemäß von Unternehmensberatungen eingesetzt, um das Produkt-Portfolio zu analysieren. Dabei wird das Marktwachstum und der Marktanteil gegeneinander aufgetragen und die Produkte werden entsprechend platziert. Entsprechend ihrer Lage werden die Produkte dann als “Cash Cow”, “Star”, “Poor Dog” oder “?” klassifiziert und Handlungsoptionen herausgearbeitet. In ähnlicher Weise kann man auch bei der Ideenbewertung verfahren, wobei man auch andere Variablen benutze kann, die man jedoch inBeziehung zueinander setzen können muss.

Portfolio

In dieser Portfolio-Analyse werden Ideen nach Innovationsstärke und Kosten für die Umsetzung bewertet. Legt man nun besonders viel Wert auf Innovationsstärke, um sich z.B. vom Wettbewerb abzugrenzen, sind Ideen in den oberen Quadranten interessant. Besonders attraktiv sind Ideen, die eine hohe Innovationsstärke bei niedrigen Kosten haben, wohingegen teure Ideen mit wenig Innovationsstärke uninteressant sind. Sehr kostengünstige, aber wenig innovative Ideen können je nach Strategie ebenfalls interessant sein.

Letztendlich werden Kreativprozesse erst dann erfolgreich und Ideen erst dann wertvoll, wenn man sie analysiert, bewertet und entsprechend weiter bearbeitet. Ansonsten bleiben die besten Ideen Schubladenhüter.

Photo by KROMKRATHOG/ FreeDigitalPhotos.net

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